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arsVitha präsentiert das Portfolio „Zehn graue Feldmäuslein“ von Pierre Doome

Bilder von Kriegen und militanten Auseinandersetzungen  im Gazastreifen, in der Ukraine oder in Mali erreichen uns durch die mediale Nachrichtenwelt – quasi im Minutentakt. Das Portfolio von Pierre Doome „Zehn graue Feldmäuslein“ könnte demnach nicht aktueller sein.

Pierre Doome (Foto: Willi Filz)

Pierre Doome (Foto: Willi Filz)

In seinen aquarellierten Zeichnungen bringt Doome die unfassbare Schonungslosigkeit des Krieges nach vorne und verleiht dieser durch die Verkörperung der grauen Feldmäuslein eine besondere Eindringlichkeit.

„Es gibt so viele Kriegsfotos – sowohl von damals als auch von heute – sodass es für einen Künstler wenig Sinn macht, Menschen zu zeichnen…“, so Doome. „Zehn graue Feldmäuslein“ ist eine Bilderfabel zur Geschichte der ostbelgischen Zwangssoldaten und des Zweiten Weltkrieges. Darüber hinaus geht die Fabel auf die Grausamkeit aller Kriege dieser Welt ein. „Bei solchen Gefechten gibt es nur Verlierer, damals wie heute…“, so Doome.

Ein Blick zurück: Gleich nach seiner Geburt, Pierre Doome ist gerade mal drei Tage alt, wird sein Vater Jean Doome als Kriegsgefangener in die Lüneburger Heide geschickt.

Kurz darauf, am 18. Mai 1940, ordnet Adolf Hitler an, dass die Kantone Eupen, Malmedy und St. Vith fortan dem Dritten Reich angehören. Ein Schicksalsschlag, der Pierre Doome zeitlebens begleiten und beschäftigen wird. Mehr als 8.000 Soldaten dieses Gebiets – sogenannte Zwangssoldaten – werden dazu genötigt, Hitlers Armeen zu dienen.

Tabuthema Zwangssoldaten aus Ostbelgien: Bis heute nicht völlig geklärt

Tausende Zwangssoldaten verloren während des Krieges ihr Leben. Nach den Gefechten wurde ein Großteil von ihnen in Belgien verhaftet und so behandelt wie jene Landsleute aus der Wallonie und Flandern, die sich freiwillig für die Rekrutierung aufgestellt hatten.

So durchliefen viele Zwangssoldaten im Zuge der sogenannten Säuberung willkürliche Strafbehandlungen. „Dieses Gefühl der Ungerechtigkeit ist in den letzten Jahren immer stärker in mir hoch gekommen, auch wenn mein Vater nicht als Zwangssoldat dienen musste sondern in deutsche Gefangenschaft geraten war“, so Pierre Doome. Dieses Gefühl der Ungerechtigkeit leitete Pierre Doome dazu, die schmerzhafte Geschichte der Feldmäuslein entstehen zu lassen. Denn das traurige Schicksal der Zwangssoldaten aus den Kantonen Eupen-Malmedy-St.Vith ist bis heute nicht vollständig beglichen worden: vor allem in Bezug auf die finanzielle Entschädigung sowie auf die juristische Verfolgung und Behandlung gleich nach Kriegsende.

Limitierte Edition: jetzt kaufen!

Beim Portfolio „Zehn graue Feldmäuslein“ handelt es sich um eine limitierte Edition von 325 Stück – jedes ist von Pierre Doome nummeriert und handsigniert. Das Portfolio wurde auf Steinbach-Zeichenpapier gedruckt und ist für 180 Euro bei arsVitha käuflich zu erwerben (info@arsvitha.be, +32(0) 80 229 486).

arsVitha-Veranstaltungsreihe „RdK reloaded“ erweckt Feldmäuslein zum Leben…

Pierre Doome hatte den zwölfteiligen Bilderzyklus „Zehn graue Feldmäuslein“ für die arsVitha-Veranstaltungsreihe „RdK reloaded“ angefertigt und im Rahmen der arsVitha-Ausstellung „Molotov Cocktail“ im März dieses Jahres öffentlich präsentiert.

Die Reihe „RdK reloaded“ von arsVitha hatte sich 2013/2014, 40 Jahre nach der ersten Einsetzung des Rates der deutschen Kulturgemeinschaft (RdK), das Ziel gesetzt, die Geschichte und Gegenwart der kulturellen Autonomie in Ostbelgien durch möglichst vielseitige Veranstaltungen  zu beleuchten.

Der aus St. Vith stammende Künstler Pierre Doome befasst sich seit vielen Jahren in seiner Kunst unter anderem auf subtile Weise mit der kulturellen Geschichte der hiesigen Region. Das von arsVitha produzierte Portfolio „Zehn graue Feldmäuslein“ von Pierre Doome stellt das Thema der Kulturautonomie somit in einen zeitlich wesentlich breiteren Kontext.